5 Fragen an…Dilsâd Babayigit, Geschäftsführerin der ageneo Life Science Experts

5 Fragen an…Dilsâd Babayigit, Geschäftsführerin der ageneo Life Science Experts

22.07.2020

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ageneo-Mitarbeiter* und Geschäftspartner* melden sich zu Wort: Von unseren Consultants bis hin zur Geschäftsleitung und langjährigen Wegbegleitern – hier hat jeder eine Meinung. Die Kollegen berichten über ihren Weg zur Personalberatung, was ihnen bei ageneo gefällt und geben Tipps für potenzielle Bewerber. Geschäftspartner berichten über Inside-News aus den Life-Sciences und vieles mehr.

Lesen Sie hier, was Dilsâd Babayigit dazu bewogen hat, bei der Charta der Vielfalt zu unterschreiben und warum Diversity für sie auch etwas mit unternehmerischer Verantwortung zu tun hat.

 

ageneo ist seit Jahren Unterstützerin und Unterzeichnerin der Charta der Vielfalt – eine Initiative rund um Diversity Management. Wie und warum ist es dazu gekommen?

Aufmerksam wurde ich über LinkedIn, wo einer unserer Kunden ebenfalls Mitglied der Charta ist. Ich habe mir dann direkt die Website angeschaut und wusste sofort, dass wir dort auch unterschreiben müssen! Die Mitgliedschaft bei der Charta der Vielfalt unterstreicht im Grunde noch einmal unsere Lebens- und Arbeitseinstellung. Diskriminierung und Intoleranz sind für mich aus tiefster Überzeugung nicht hinnehmbar, weshalb mir das Bekenntnis zur Diversity tatsächlich sehr leicht fällt.

Welche Maßnahmen ergreifst du konkret, um Diversity bei ageneo zu fördern?

Von unseren 14 Mitarbeitern haben 9 einen Migrationshintergrund, ein Umstand, den ich bereichernd finde. Außerdem sind wir von der Altersstruktur, den Geschlechtern oder auch den Lebensformen gut durchgemischt. Homogenität streben wir nicht an, denn wir erleben jeden Tag, wie unsere Belegschaft von der Heterogenität und den damit einhergehenden unterschiedlichen Perspektiven profitiert. Bei uns wurde noch kein Kandidat wegen seiner Herkunft oder seines Geschlechts o.Ä. abgelehnt. Der Glaube an Vielfalt kommt bei uns von Herzen.

Extern versuchen wir ebenfalls unsere Dienstleisterstruktur noch vielfältiger aufzustellen und hinterfragen die Besetzung von Steuerberater, Übersetzer usw. nach den Kriterien der Diversity.

Auch bei unserem Kundenstamm ist uns wichtig, dass Gleichberechtigung und Toleranz gelebt werden. Bei Problemen haben wir in der Vergangenheit bereits entsprechend reagiert. Beispielsweise haben wir einmal die Anfrage eines Kundens abgelehnt, der für eine vakante Stelle ausschließlich nach männlichen Kandidaten suchte. Das muss man sich natürlich auch leisten können, aber ich war einfach nicht bereit, geeignete Bewerber auf Basis ihres Geschlechts auszuschließen. Das hat für mich auch etwas mit gesellschaftlicher Verantwortung zu tun.

Wie begegnet man dir ganz persönlich in der Berufswelt als Geschäftsführerin mit Migrationshintergrund?

Tatsächlich erlebe ich häufiger eine gewisse „positive“ Voreingenommenheit, die für mich schon ein „Gschmäckle“ hat. Nett gemeinte Kommentare wie „Wow, das ist ja total beeindruckend, als Frau mit Migrationshintergrund das geschafft zu haben“ irritieren mich schon.  Ich frage mich natürlich, ob das nicht „wow“ wäre, wenn ich ein deutscher Mann wäre.

Bei mir findet diesbezüglich aber auch ein Umdenken statt. Bislang hatte ich mich eher dagegen gewehrt, dafür anerkannt zu werden, dass ich eine weibliche Unternehmerin mit Migrationshintergrund bin. Ich wollte und will auch heute noch, dass in erster Linie meine Leistung im Vordergrund steht. Allerdings wird mir immer klarer, dass ich akzeptieren muss, dass in meiner Position diese Themen durchaus eine wichtige Rolle spielen. Ich finde es selbst unglaublich, wie wenige Frauen nachkommen und was bereits kleinen Mädchen suggeriert wird, was sie werden können und was nicht. Heute verstehe ich, dass Vielfalt aktiv gefördert und unterstützt werden muss, damit sich etwas in dieser Richtung bewegt. Aber es ist immer noch schwierig für mich, weil ich definitiv nicht wegen meines Geschlechts oder meiner Herkunft bevorzugt werden möchte. Ebensowenig, wie ich deshalb benachteiligt werden möchte.

Gab oder gibt es Konflikte, die sich auf die Diversität bei ageneo zurückführen ließen und wie gehst du damit um?

Natürlich gibt es grundsätzlich Konfliktpotenzial in einem divers aufgestellten Team. Aber ich habe den Eindruck, dass wir bei uns durch unsere offene Kommunikationskultur diesen möglichen Schwierigkeiten gut entgegenwirken. Wir klären Missverständnisse umgehend und direkt. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es zu Problemen kommen kann, wenn man diese offene Kommunikation nicht praktiziert.

Gibt es noch etwas, dass du zum Punkt Diversität sagen möchtest?

Was ich als Unternehmerin mit diesem Thema auch verbinde, ist die Frage nach der unternehmerischen Verantwortung. In diesem Zusammenhang denke ich an den Zwischenfall rund um Siemens-Chef Joe Kaeser und seine klare Positionierung gegen die AFD, für die er teilweise massiv kritisiert wurde nach dem Motto: „Der Wirtschaftler hat sich aus der Politik rauszuhalten.“ Ich muss sagen, mich macht eine derartige Haltung nicht nur fassungslos, sondern regelrecht wütend. Ich bin der tiefsten Überzeugung, dass Unternehmer*Innen politisch sein müssen. Sie können sich nicht heraushalten, sie DÜRFEN sich nicht heraushalten! Jede*r Unternehmer*In, der/die es alleine der Politik überlassen will, sich gegen rechts zu stellen oder gesellschaftlich einzuwirken, hat meiner Meinung nach nicht verstanden, was er/sie da überhaupt macht, welche gesellschaftliche Verantwortung man trägt!

Es geht für mich vollkommen an der Realität vorbei, wenn man behauptet, Wirtschaft könne man gänzlich getrennt von Politik betrachten. Beispielsweise wird wohl niemand ernsthaft anzweifeln, dass sich Betriebe in einem demokratischen Staat ganz anders führen lassen als in einem diktatorischen Regime. Natürlich gehen Politik und Wirtschaft in vielen Bereichen Hand in Hand. Und wir müssen uns in unserem politischen System, in dem wir leben, positionieren! Sich heraushalten ist für Unternehmer*Innen absolut keine Option! Und die Charta der Vielfalt ist eine Möglichkeit von vielen, Stellung zu beziehen. Den Mund aufmachen, das ist das Mindeste! Für mich ist man kein*e Unternehmer*In, wenn man diese gesellschaftliche Verantwortung nicht übernimmt.

Über die Charta der Vielfalt:

Die Charta der Vielfalt ist eine Arbeitgebendeninitiative zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen und Institutionen. Das Herzstück der Initiative ist eine Urkunde, die die Unterzeichnenden in die Selbstverpflichtung nimmt, Diversität und Wertschätzung in der Arbeitswelt zu fördern. Unternehmen und Institutionen sollen ein Arbeitsumfeld erschaffen, das frei von Vorurteilen ist und wo Mitarbeiter*Innen Anerkennung erfahren – unabhängig von Geschlecht und geschlechtlicher Identität, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität.

 

Carolyn Klein – Marketing Associate

 

*Allein aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei der Personenbezeichnung in diesem Beitrag auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Die verkürzte Sprachform hat lediglich redaktionelle Gründe und beinhaltet keinerlei Wertung. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für alle Geschlechter.

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